Das Psychologiestudium in Salzburg ist stark naturwissenschaftlich orientiert. Das heißt, wir befassten uns unter anderem intensiv mit statistisch nachweisbaren Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Erlebens und Verhaltens, mit Neuroanatomie und Psychophysiologie, psychologischen Experimenten sowie mit den Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens.
Das meiste davon fand ich interessant, manches wirklich spannend. Die Anforderungen des Studiums kamen meiner Vorliebe für analytisches Denken entgegen – und dennoch blieb da eine Sehnsucht, dem Wesen des Menschen, das mich seit meiner Jugend faszinierte, in seiner Tiefe näherzukommen.
Dieses Interesse führte mich zur humanistischen Psychotherapie und schließlich – über eine längere personzentrierte Eigentherapie und die Lektüre einiger Werke von Viktor Frankl – zur Existenzanalyse. Bei der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse (GLE) absolvierte ich meine Ausbildung zur Psychotherapeutin.
„Ich möchte Menschen nicht auf Kategorien reduzieren, sondern ihnen in ihrer Einzigartigkeit begegnen.“
Dort erlebte ich, dass es um jene Dimensionen ging, die im Studium für mich offen geblieben waren und sich einem experimentell naturwissenschaftlichen Zugang gerade entziehen: menschliche Freiheit und Verantwortung, Würde, Sinn, Werte, Einzigartigkeit und Individualität.
Obwohl das Wissen um Diagnosen und Gesetzmäßigkeiten bei psychischen Störungen notwendig und hilfreich ist – hier kommt mir mein Grundberuf als klinische Psychologin zugute –, bemühe ich mich, jeder Patientin und jedem Patienten als Mensch in seiner persönlichen Lebenssituation zu begegnen.