Die Frage nach dem Sinn kann Orientierung geben. Sie kann aber auch zusätzlichen Druck
erzeugen – besonders dann, wenn jemand erschöpft, depressiv, ängstlich oder von einem
Verlust erschüttert ist. In solchen Situationen braucht es häufig nicht zuerst eine
Antwort auf die große Frage nach dem Wofür.
Vorrangig können Schutz, Entlastung, eine tragfähige Beziehung, medizinische oder
psychologische Abklärung und eine realistische Struktur im Alltag sein. Erst wenn wieder
mehr Boden spürbar wird, können Fragen nach Werten, Verantwortung und persönlicher
Ausrichtung sinnvoll bearbeitet werden.
Existenzanalyse bedeutet nicht, dass in jeder Krise ein verborgener Sinn gefunden werden
muss. Sie respektiert auch Phasen, in denen es zunächst darum geht, Belastendes
auszuhalten, zu verstehen und wieder handlungsfähiger zu werden.